Im Februar 2016 fuhr ich durch Basadingen im Kanton Thurgau. Als ich am Moto-Guzzi-Händler „Jessys Custom Shop“ vorbeikam, hielt ich spontan an. Ein junger Mechaniker namens Charly kam aus der Werkstatt auf mich zu und fragte freundlich, ob er mir helfen könne.„Ich weiss es ehrlich gesagt selbst nicht so genau“, antwortete ich. Ich wollte einfach mal eine Moto Guzzi aus der Nähe sehen.
Skeptisch fragte ich ihn, was es mit diesem Mythos auf sich habe – schliesslich sei ich mit meinem „Japaner“ doch eigentlich wunschlos glücklich und sorgenfrei unterwegs. Das war der Moment, in dem es passierte: Charlys Augen fingen an zu leuchten. Mit einer unglaublichen Passion erzählte er mir von der Geschichte des ältesten Motorradherstellers Europas und der besonderen Technik hinter dem Adler aus Mandello. Seine Begeisterung war so ansteckend, dass er mich sofort in seinen Bann zog. Er ist kein gewöhnlicher Mechaniker, der nur seine Stunden absitzt – er lebt und liebt diese Maschinen mit jeder Faser.
Die Odyssee
Ich begann, mich intensiv mit dem Mythos Guzzi auseinanderzusetzen. Ich las Berichte, durchforstete Foren und schaute mir etliche Videos an. Dabei fiel mir immer wieder auf: Eine Guzzi zu fahren, hat sehr viel mit Leidenschaft, Herz und Seele zu tun. Man wird eben ein Guzzista.
Mitte Februar besuchte ich die Swiss-Moto in Zürich, um eine Eldorado live zu sehen, da Charly damals keine im Showroom hatte. Und was soll ich euch sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick! Vor allem in Schwarz hatte es mir die Maschine angetan. Mit Prospekten und Handyfotos im Gepäck ging es nach Hause. Da die Eldorado erst Mitte 2015 auf den Markt gekommen war, gab es natürlich noch keine Gebrauchten. Und jetzt? Ein, zwei Jahre warten oder doch eine neue Maschine kaufen? Soll ich, soll ich nicht ...?
Ende März liess ich mir vom Inhaber Jessy eine Offerte zukommen. Nach langem Hin und Her und der ständigen Frage „Soll ich oder soll ich nicht?“ fragte ich am Dienstag, den 26. April 2016, meinen Chef, ob ich am Nachmittag spontan frei haben könnte. Er bejahte, und so besuchte ich mit einer gewissen Nervosität nach dem Mittagessen „Jessys Custom Shop“.
„Jessy, mach mir einen guten Preis und ich kaufe die Eldorado!“, sagte ich. Nachdem wir das Zubehör (Windschutzscheibe und Sissybar) ausgewählt hatten, unterbreitete er mir ein Angebot und ich unterschrieb den Vertrag. Im gleichen Moment teilte mir Jessy jedoch mit, dass er aufhören werde. Ich war völlig perplex. Doch dann die Auflösung: Sein langjähriger Mitarbeiter Charly würde das Geschäft ab dem 1. Mai 2016 übernehmen. Jessy wollte sich verändern und für den Generalimporteur tätig sein. Für mich war das völlig in Ordnung – schliesslich hatte ich die Guzzi nur dank Charlys Enthusiasmus gekauft! Er ist mit Herz und Seele dabei. Das Geschäft heisst ab sofort Moto Rumble.
Die Eldorado war beim Importeur in Manno (Tessin) an Lager und so konnte ich meine Guzzi bereits eine Woche später, am Mittwoch, den 4. Mai 2016, in Empfang nehmen. Natürlich schaute ich schon ein paar Tage vorher in der Werkstatt vorbei, um mein „Baby“ zu begutachten. Ein wahnsinniges Gefühl zu wissen: Das da auf dem Motorradlift ist meine!